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Ein Adventskalender über Fermentation – ein Fermentskalender. 24 Türchen, hinter denen sich Erstaunliches aus der Geschichte der Fermentation, besondere Empfehlungen für eigene Reisen in den Mikrokosmos, weihnachtliche Zukunftsvisionen und natürlich ganz viel Besinnlichkeit verbergen. Auch einige Überraschungsgäste tauchen auf, teilen Rezepte mit uns oder schwärmen von ihren Lieblingsmikroben.

Viel Spaß dabei und habt eine schöne Adventszeit!

Fermentskalender - Türchen #11: Interview mit einer Mikrobe

Ein- und Mehrzeller arbeiten Hand in Hand für das beste Kimchi

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für Mikroorganismen besonders angespannt. Es gibt viele Trilliarden von ihnen und gleichzeitig bisher kaum Stellen, bei denen  Bewerbungen von Einzellern als gleichwertig zu jenen von Mehrzellern behandelt werden. Dabei finden sich unter ihnen zahlreiche Fachkräfte. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass ich für dieses Türchen eine der wenigen Mikroben sprechen durfte, die einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgeht und nicht, wie die große Mehrheit ihrer Artgenossinnen, irgendwo in einem Sauerkrauttopf oder in einer Brauerei völlig unentgeltlich herumfermentiert. 

Leuconostoc mesenteroides arbeitet als Bacterial Community Manager bei Doctor Kimchi, einem Startup, bei dem sich alles um den fermentierten Weißkohl Kimchi dreht, der ursprünglich aus Korea kommt. Der Kohl wird, genau wie Sauerkraut (siehe Türchen #2), mithilfe von Milchsäurebakterien fermentiert, klassischerweise gemeinsam mit Chili, Ingwer und anderen Gewürzen. Wirklich sehr lecker (hab ich auch schon selbst gemacht, wirklich empfehlenswert). Bei Doctor Kimchi gehört es zur Mission, die Mikroorganismen aktiv einzubinden und ihnen eine Stimme zu verleihen.

Interview mit Leuconostoc mesenteroides, Bacterial Community Manager bei Doctor Kimchi

Martin: Vielen Dank, Leuconostoc mesenteroides, dass Sie sich die Zeit für dieses exklusive Interview im Fermentskalender nehmen.

Leuconostoc: Sehr gern, bei einem Adventskalender über Fermentation wollte ich unbedingt dabei sein. Und nennen Sie mich doch einfach Leuconostoc.

Martin: In Ordnung. Leuconostoc, Sie sind ein Bacterial Community Manager beim Startup Doctor Kimchi. Was können wir uns darunter vorstellen?

Leuconostoc: Ich trage viele Hüte bei Doctor Kimchi – meine Hauptaufgaben sind es, die Kimchi-Produktion zu unterstützen und Bakterien in einer menschenzentrierten Welt zu vertreten. Ich erzähle die Geschichten meiner bakteriellen Kumpel und animiere Menschen dazu, mehr Gemüse zu essen.

Martin: Interessant. Was würden Sie als Ihre besonderen Fähigkeiten bezeichnen?

Leuconostoc: Ich bin ein Fermentations-Allrounder, und meine besondere Fähigkeit ist es, neben Milchsäure auch Alkohol, also Ethanol, zu erzeugen, was meine sozialen Outreach-Bemühungen erheblich unterstützt.

Martin: Nun beginnt die Weihnachtszeit und viele freuen sich auf etwas Ruhe und Besinnlichkeit. Sie auch?

Leuconostoc: Weihnachten ist eine meiner arbeitsreichsten Jahreszeiten. Ich habe gerade die Koordination des Kimchi-Festivals in Südkorea abgeschlossen und bin direkt in die europäische Weihnachtstour gestartet. Während der Festtage werde ich die Antipasti-Initiative in Italien unterstützen, meinen dänischen Kollegen bei der Havarti-Produktion helfen und in Zentral- und Osteuropa kräftig mit anpacken – die Menschen lieben ihr Sauerkraut und ihre Essiggurken zu Weihnachten! Das ist ein straffer Zeitplan, aber auch eine großartige Gelegenheit, meine Familie auf der ganzen Welt zu treffen.

Martin: Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg! Meine letzte Frage: haben Sie gute Vorsätze fürs neue Jahr?

Leuconostoc: Mein Neujahrsvorsatz ist, mehr Interviews mit Menschen zu führen und hoffentlich Kimchi zum Oktoberfest zu bringen.

Martin: Vielen Dank für Ihre Zeit!

 

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