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Ein Adventskalender über Fermentation – ein Fermentskalender. 24 Türchen, hinter denen sich Erstaunliches aus der Geschichte der Fermentation, besondere Empfehlungen für eigene Reisen in den Mikrokosmos, weihnachtliche Zukunftsvisionen und natürlich ganz viel Besinnlichkeit verbergen. Auch einige Überraschungsgäste tauchen auf, teilen Rezepte mit uns oder schwärmen von ihren Lieblingsmikroben.

Viel Spaß dabei und habt eine schöne Adventszeit!

Fermentskalender - Türchen #21: Musikalische Mikroben

Musik kann uns ganz schön stark beeinflussen, besonders zur Weihnachtszeit. Manche Melodien wecken bei uns Gefühle wohliger Besinnlichkeit, Last Christmas weckt Mordfantasien. Auch Mikroorganismen werden von Musik beeinflusst und dadurch die Fermentation. Ich habe einige kuriose Beispiele herausgesucht, also schnappt euch eine Decke und ein heißes Getränk, legt eure liebste Weihnachtsplatte auf und lehnt euch entspannt zurück.

Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse

Experimente mit unterschiedlichen Musikstilen bei der Käseherstellung wurden unter anderem in der Schweiz durchgeführt. Wenn man in einem Land von Käseexpert:innen mit uralter Tradition lebt, ist es nicht mehr so einfach, sich aus der Masse hervorzuheben. Deshalb begiebt man sich auch mal auf Neuland, indem man seine Käselaibe bei der Reifung zum Beispiel mit Musik beschallt. Das Agrarforschungszentrum Agroscope hat das ganze einmal genauer untersucht und sich alle Musikversuche mit Käse zusammenfassend angeschaut. Das Ergebnis: Tatsächlich regen die Schallwellen das Wachstum der Mikroben an und beeinflussen ihren Stoffwechsel und damit die Fermentation der Milch zum Käse. Dabei haben unterschiedliche Musikstile auch unterschiedliche Effekte auf den komplexen Vorgang der Fermentation, was zu unterschiedlichen Geschmacksnoten im Käse führt. Proband:innen, die unterschiedlich beschallten Käse verkosteten, bewerten Hip-Hop-Käse am besten. Ich verstehe also nicht, warum es noch keine Käsesorte namens Brieoncé gibt. Könnte man teurer verkaufen als jeden Influencer-Energydrink.

Das alles und noch viel meeeehr ...

… würd ich machen, wenn ich Musikfermenter wär. Was bei Käse funktioniert, sollte auch andere Arten der Fermentation beeinflussen. Angeblich tut es das auch, zum Beispiel bei Wein. Es gibt Firmen, die unterhalten ihre Hefen mit unterschiedlichsten Rhythmen und Melodien. Eine Musik-Winzerei, die gefunden habe, ist Sonor Wines und auf ihrer Webseite erklären sie das ganze noch etwas genauer.

Auch die Fermentation von Joghurt wird durch Musik beeinflusst, fanden iranische Forscher heraus.

Ernsthaft, da eröffnet sich doch ein ganz neues Forschungsfeld. Ich habe so viele Fragen. Ist mein Sauerteig damals gar nicht eingegangen, weil ich mich wochenlang nicht um ihn gekümmert habe, sondern weil er kein Heavy Metal mag? Kann man Glühwein durch Weihnachtslieder verbessern (und dann teurer verkaufen)? Kann man das Mikrobiom in unserem Darm mit Musik beeinflussen (und entsprechende Therapien dann teuer verkaufen)?

Und Mikroben hören nicht nur gern Musik, sie können auch selbst welche machen. Ein Professor Rosenstock hat 2020 etwas vorgestellt, dass er Fermentophon nennt. Diese Apparatur übersetzt die während der Fermentation entstehenden und platzenden Gasbläschen in Töne. Sachen gibt’s.

Mehr über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Fermentation gibt es in meinem 2024 im Residenz Verlag erschienenen Buch „Revolution aus dem Mikrokosmos – Nachhaltige Ernährung durch Fermentation“. Zu kaufen überall, wo es Bücher gibt, zum Beispiel direkt auf der Seite des Verlags. Mehr zum Buch findet ihr auch hier auf meiner Webseite.

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