Ein Adventskalender über Fermentation – ein Fermentskalender. 24 Türchen, hinter denen sich Erstaunliches aus der Geschichte der Fermentation, besondere Empfehlungen für eigene Reisen in den Mikrokosmos, weihnachtliche Zukunftsvisionen und natürlich ganz viel Besinnlichkeit verbergen. Auch einige Überraschungsgäste tauchen auf, teilen Rezepte mit uns oder schwärmen von ihren Lieblingsmikroben.
Viel Spaß dabei und habt eine schöne Adventszeit!
Fermentskalender - Türchen #8: Bakterien im All

Hinter manchen Türchen verbergen sich Gäste, die genauso begeistert von Fermentation sind, wie ich. Dies ist so ein Türchen. Heute mit …
Ludger Weß: "Tersicoccus phoenicis - Leben auf dem Mars"
„Die Frage, ob es auf anderen Himmelskörpern Leben gibt, bleibt ungeklärt. Raumfahrzeuge, die auf Asteroiden, Monden oder Planeten landen, müssen daher steril sein, um die Suche nach Leben nicht zu verfälschen und ökologische Schäden zu verhindern. Daher werden sie in Hochreinräumen gebaut und regelmäßig desinfiziert. Dennoch wurde in zwei Reinräumen für den Zusammenbau von Raumsonden ein Bakterium entdeckt: Tersicoccus phoenicis. Es überlebte trotz UV-Strahlung, chemischer Desinfektion, Trockenheit und Nahrungsarmut.
T. phoenicis teilt weniger als 95 % seiner genetischen Informationen mit seinen engsten Verwandten und wurde deshalb als neue Gattung und Art klassifiziert. Der Name leitet sich von „tersus“ (lateinisch für rein) und „coccus“ (Beere) ab; das Epitheton „phoenicis“ verweist auf die Marsmission Phoenix, an deren Produktionsstandorten das Bakterium entdeckt wurde. Trotz intensiver Suche wurde es bisher nicht in der freien Natur gefunden.“
Per Anhalter in die Galaxis
Neben T. phoenicis haben Forscher in Reinräumen und an Raumfahrzeugen neun weitere Bakterienarten identifiziert, darunter Verwandte des hitzebeständigen Paenibacillus xerothermodurans. Schätzungen zufolge hatte das Mars Science Laboratory, das den Rover Curiosity 2011 zum Mars brachte, rund 30.000 hitzeresistente Sporen an Bord. Auch Curiosity selbst war nicht steril; auf Desinfektionstüchern fanden sich Sporen und Bakterien aus Böden und Gewässern der Erde.
Die Bemühungen, Raumsonden vollkommen keimfrei zu machen, scheinen vergeblich. Möglicherweise ist T. phoenicis das erste irdische Lebewesen auf dem Mars. Ob Bakterien dort überleben können, bleibt offen. Experimente zeigen, dass Marsbedingungen wie Perchlorate, Eisenoxid, Wasserstoffperoxid und UV-Strahlung tödlich wirken. Dennoch könnten Mikroorganismen in den Poren von Marsgestein Schutz finden.“

Im Buch „Winzig, zäh und zahlreich – Ein Bakterienatlas“ von Ludger Weß finden sich noch viele weitere Profile von Bakterien mit erstaunlichen Fähigkeiten. Außerdem hat er zwei Biotech-Thriller geschrieben. Leseempfehlung!
Mehr über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Fermentation gibt es in meinem 2024 im Residenz Verlag erschienenen Buch „Revolution aus dem Mikrokosmos – Nachhaltige Ernährung durch Fermentation“. Zu kaufen überall, wo es Bücher gibt, zum Beispiel direkt auf der Seite des Verlags. Mehr zum Buch findet ihr auch hier auf meiner Webseite.

[…] Es gibt sogar Bakterien, die im All überleben und andere Planeten besiedeln könnten. Falls euch das näher interessiert, guckt doch mal in Türchen #8. […]